Stubenreinheit

Hilfe, meine Kaninchen sind nicht stubenrein!
Ein wichtiges Thema bei der Innenhaltung von Kaninchen ist die Stubenreinheit. Es gibt wohl kaum etwas, das ärgerlicher und lästiger ist als Kaninchen, die sich anscheinend einen Spaß daraus machen die Wohnung mit Pfützen und Kotbällchen zu verzieren. Dass wir Möhrenspender darüber alles andere als erfreut sind, ist wohl verständlich. Es gibt unterschiedliche Gründe, warum Kaninchen nicht „sauber“ sind oder werden.

Im Allgemeinen sind Kaninchen äußerst reinliche Tiere. Sie verbringen einen Großteil des Tages damit sich selbst zu putzen. Die meisten erwachsenen Kaninchen haben sogar eine spezielle Ecke, in der sie ihr kleines Geschäft verrichten. Dagegen kommt es seltener vor, dass sie auch nur in einer Ecke „kötteln“.

Junge Kaninchen sind bis zur 16. Lebenswoche noch nicht wirklich in der Lage zu verstehen, dass sie nur an dieser einen Stelle, also im Kaninchenklo, ihr großes Geschäft verrichten sollen. Da die Tiere noch im Flegelalter sind, ist eine liebevolle und vor allem ausdauernde Hand gefragt, die dem Kaninchen zeigt, wo es sein Geschäft hinmachen darf. Meist kann man beim Auslauf feststellen, dass die Hoppler eine bestimmte Stelle für Ihre Pfützen bevorzugen. Ist dem so, sollte genau an dieser Stelle die Kaninchentoilette stehen.

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Am Anfang sollten außer der Einstreu auch ein paar Kotkügelchen in die Toilette gelegt werden. Wenn nun doch eine Pfütze neben das Klo geht, hat es sich bewährt ein Küchentuch mit dem aufgewischten Urin in die Toilette zu legen. So lernt das Kaninchen recht schnell, wofür diese kleine Kiste gedacht ist. Bei der Reinigung des Bodens empfiehlt es sich auf ammoniakhaltige Putzmittel zu verzichten, da diese die Unsauberkeit verstärken können. Reinigen Sie die beschmutzte Stelle stattdessen mit Essigwasser und wischen Sie gut mit Wasser nach.

Mit ein wenig Übung verstehen die meisten Kaninchen recht schnell was von Ihnen erwartet wird. Sobald das Kaninchen seine Blume hebt und Anstalten macht auf den Teppich oder das Sofa zu pieseln, nimmt man es und setzt es in die Toilette. Wird allerdings brav ins Klo gemacht, gibt es eine kleine Leckerei.

Geht doch einmal etwas daneben, darf das Tier weder mit der Nase in den Urin gestupst werden, noch zur Strafe einen Klaps auf den Po bekommen. Diese Methoden sind Tierquälerei und verursachen beim Kaninchen nur Angst vor seinem Menschen.

Das richtige „stille“ Örtchen
Manche Kaninchen bevorzugen eine ganz bestimmte Stelle für ihr Geschäft. Genau an dieser Stelle sollte dann auch die Kaninchentoilette ihren Platz finden. Geeignet sind entweder spezielle Nagertoiletten, die eine abgeflachte Stelle für den besseren Einstieg haben oder aber auch Toiletten für Katzenkinder, da diese nicht so hoch sind. Alternativ kann auch eine normale Käfigunterschale ohne Gitteroberteil genutzt werden. Zu beachten gilt: Je mehr Tiere, desto mehr oder größere Toiletten werden benötigt.

Sehr förderlich für ein „sauberes“ Kaninchen ist es, das Heu in einer Raufe über dem Klo anzubringen. Die meisten Kaninchen werden erst stubenrein, wenn sie ihren Heusnack auf der Toilette einnehmen können. Dies geschieht auf Grund der Anatomie des Magen-Darm-Traktes. Kaninchen besitzen einen sehr schwach bemuskelten Stopfmagen, bei dem nur hinten etwas heraus kommt, wenn vorne etwas nachgeschoben wird.

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Ist die Heuraufe direkt über der Toilette befestigt, landen Köttel und Co. leichter dort, wo sie hinsollen!

Die richtige Einstreu
Haben Sie alle anderen Aspekte beachtet und das Kaninchen benutzt die Toilette trotzdem nicht, kann es auch an der falschen Einstreu liegen. Hier heißt es austesten, welche Einstreu Ihrem Tier am meisten zusagt.
Bewährte Einstreusorten sind z. B. Holzpellets oder -späne. Da Holzpellets zwar sehr saugfähig, aber recht hart sind, kann eine Lage Stroh oder Heu darüber gegeben werden. Sand oder Zeitungspapier sind ungeeignet. Katzenstreu darf auf keinen Fall benutzt werden, denn sie hat zum einen scharfe Kanten, die beim Verschlucken Verletzungen verursachen können. Zum anderen verklumpt  Katzenstreu, wenn sie feucht wird. Dies führt schlimmstenfalls zu einem Magen-Darmverschluss.

Welche weiteren Vor- und Nachteile die verschiedenen Arten von Einstreu haben, können Sie in unserem Artikel über Einstreu nachlesen.

Unsauberkeit aus „Protest“
Wissenswert ist es außerdem, dass manche Kaninchen zum „Protestpinkeln“ neigen. Ein Tierarztbesuch, eine nicht genügend gesäuberte Toilette oder auch zu wenig Beachtung durch ihren Menschen quittieren manche Tiere damit, neben die Toilette zu machen.

Vorbei mit der Sauberkeit?
Es kann auch vorkommen, dass Kaninchen plötzlich wieder unsauber werden, obwohl sie einmal stubenrein waren. Dafür kann es unterschiedliche Gründe geben.

Die Pubertät
Auch Kaninchen kommen in die Pubertät. Dies passiert zwischen dem 4. und 12 Lebensmonat. Mit der eingetretenen Geschlechtsreife setzt das Revierverhalten ein. Die Fellnasen beginnen zu markieren und manche Tiere versehen ihr Revier mit Unmengen von „Urinseen“ und “Köttelbergen“. Hier machen weder Häsinnen noch Rammler einen Unterschied.

Außerdem kann es zu einem Rangordnungswechsel kommen und die Tiere versuchen ihre Position mit Duftmarken zu verdeutlichen. Hier hilft nur durchhalten, Geduld haben und die Sauberkeit wieder neu mit Ihren Mitbewohnern trainieren. Es kann bei manchen Kaninchen zu extremem Urinspritzen kommen.

Vergesellschaftung
Zieht ein neues Kaninchen ein, kann es bei der Zusammenführung mit alteingesessenen Langohren auf beiden Seiten zu Unsauberkeit kommen. Die Tiere müssen sich erst einmal kennenlernen und vor allem die Rangordnung klären. Revieransprüche werden mit Urin und Kötteln verdeutlicht. Auch hier kann man nur abwarten, denn in der Regel gibt sich die Unsauberkeit, sobald die Rangordnung vollständig geklärt wurde.

Haltung von mehr als zwei Kaninchen
Spielt man mit dem Gedanken sich weitere Tiere ins Haus zu holen, gilt es zu bedenken, dass die Unsauberkeit mit der Anzahl der Kaninchen steigen kann. Dies gilt vor allem für Gruppen in denen z. B. mehrere dominante Tiere leben, die ihre Rangordnung öfter ausfechten.

Einnässen von Sofa oder Bett
Wenn ein Kaninchen auf Bett oder Sofa pieselt, sollte man ihm den Zugang dazu verwehren. Hier kann zum Beispiel ein Freilaufgitter um das Bett oder Sofa gestellt werden. Erwischen Sie Ihr Kaninchen gerade dabei, wie es auf Bett oder Couch uriniert, greifen Sie es und setzen es mit einem deutlichen „Nein“ in seine Klokiste. Sollte das Kaninchen gerne auf Decken oder Kleidungsstücke pinkeln, so ist es einen Versuch wert, den Weichspüler beim Waschen wegzulassen oder unparfümiertes Waschmittel zu verwenden. Kaninchen sind sehr geruchsempfindlich und wollen oft nur den fremden Geruch mit ihrem eigenen überdecken.

Krankheiten
Natürlich kann eine plötzliche Unsauberkeit auch auf gesundheitliche Probleme hinweisen. Verliert das Kaninchen z. B. unkontrolliert Urin, eventuell beim Hoppeln oder auch beim Schlafen, so kann dies ein Hinweis auf eine Blasenentzündung sein. Hier ist ein Gang zum Tierarzt angebracht, da eine Entzündung der Blase auch für ein Kaninchen äußerst schmerzhaft ist und einer medizinischen Behandlung bedarf.

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Die meisten Kaninchen benutzen freiwillig ihre Kaninchentoilette. 

Nicht verschweigen wollen wir jedoch, dass es durchaus Kaninchen gibt, die nie stubenrein werden. Das gelegentliche Verlieren von Kotbällchen beim Hoppeln ist aber durchaus normal und zeugt lediglich von einer gesunden Verdauung Ihrer Tiere. Mit Hilfe von Staubsauger oder Besen können diese Kügelchen schnell und unkompliziert beseitigt werden. Wer sich allerdings so gar nicht damit abfinden kann, sollte auf ein Leben mit Kaninchen lieber verzichten.

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Bilder mit freundlicher Genehmigung von S. Pollidio, E. Müller, J. Zimmer

 


Diese Seite wurde zuletzt geändert am 22.02.2015 um 18:26.