Päppeln/Inappetenz

­Wenn ein Kaninchen nicht selbständig frisst...

Wenn ein Kaninchen nicht frisst, muss man sofort reagieren. Der Grund dafür ist, dass Kaninchen einen Stopfmagen bzw. -darm haben: Ihre Verdauung funktioniert nur, wenn ständig Futter nachgeschoben wird. Wird die Futterzufuhr länger unterbrochen, kommt der Weitertransport des Futterbreis im Magen oder Darm zum Erliegen. Kaninchen neigen dabei sehr schnell dazu, eine Untertemperatur zu bekommen – ihr Kreislauf bricht zusammen. Deshalb ist immer darauf zu achten, dass die Langohren in gewohnten kontinuierlichen Abständen Nahrung aufnehmen.

Zeigt ein Kaninchen bei der gewöhnten Fütterung keinen Appetit und ist teilnahmslos, sollte man es sofort zum Tierarzt bringen. Ein paar Stunden oder sogar einen ganzen Tag zu warten, kann fatale Folgen haben und den Tod des Tiers bedeuten. Je länger der Magen-Darm-Trakt nicht gearbeitet hat, umso schwieriger wird es, diesen wieder in Schwung zu bringen. Der Tierarzt wird bei der Untersuchung feststellen, warum das Kaninchen nicht frisst.

Häufige Ursachen für Inappetenz sind z.B. Blähungen, Verstopfungen oder Magenanschoppungen (Engpässe, z.B. durch Haarballen). Auch Schmerzen, z.B. nach Operationen, oder bei Entzündungen im Mundraum, durch Zahnprobleme, können zu einer Futterverweigerung führen. Je nach Ursache entscheidet der Tierarzt über die weitere Behandlung­. In manchen Fällen kann eine Zwangsfütterung (Päppeln) notwendig sein.

Wichtig: Päppeln Sie Ihr Tier niemals ohne vorherige Diagnose durch den Tierarzt!
Bei Magenanschoppungen/Verstopfungen können sich die Probleme sonst noch verschlimmern!


Bei schwachem Kreislauf

Ist das Kaninchen – und das ist besonders im Winter ein Thema – unterkühlt und matt, sollten Sie auch seinen Kreislauf stabilisieren, indem Sie ihm Wärme anbieten. Das kann eine Wärmeflasche oder ein mit warmem Wasser gefüllter Gummihandschuh sein, beides bitte gut in ein Handtuch packen, damit es nicht benagt werden kann. Möglich ist auch eine Wärmelampe im Außengehege. Wichtig ist, dass das Tier der Wärme ausweichen kann und das Stromkabel gut geschützt ist.

Was füttern?

Beim Tierarzt oder über das Internet erhalten Sie bereits auf den Bedarf von kleinen Pflanzenfressern abgestimmte Pulvermischungen zum Anrühren. Es gibt sie z. B. unter den Handelsbezeichnungen Rodicare, Herbicare oder Dental herbi. Sie werden mit lauwarmem oder kaltem, keinesfalls eisigem Wasser angerührt, bis eine geschmeidige Paste entsteht, die sich leicht mit der Spritze aufziehen lässt.

Manche Kaninchenhalter schwören auf Babynahrung im Glas, da diese Apfel-, Karotten- und Bananenbreis nicht gezuckert sind und von manchen Kaninchen lieber angenommen werden. Gleichwohl enthalten diese Obstsorten viel Zucker und wenig Rohfaser und wirken sich deshalb auf den durch die fehlende Futteraufnahme ohnehin schon angeschlagenen Darm eher nachteilig aus. Ist ein Tier jedoch gar nicht zu bewegen, den Kräuterbrei zu schlucken, und klappt es mit Früchtebrei, so ist dies die bessere Wahl als gar nicht zu füttern. Und wieder andere Halter haben gute Erfahrungen mit zerdrückter reifer Banane und Instant-Haferflocken gemacht. Diesen Brei frisst ein Kaninchen im besten Fall sogar freiwillig. Kaninchen nach einer Zahnkorrektur sind übrigens häufig fresswillig und nehmen meist jede Art von Futterbrei, z. B. von einem Löffel, auf. Eine weitere Alternative sind auch in Wasser aufgelöste Heupellets. Sie sind allerdings wegen ihrer gröberen Struktur schwieriger mit der Spritze aufzuziehen.

Tipp: Um Aufgasungen zu lindern, können Sie entblähende Medikamente* mit in den Futterbrei geben. Diese werden von Kaninchen meist gut angenommen.

Womit füttern?

Eine solche assistierte Fütterung erfolgt am besten über eine 1 ml-Spritze, natürlich ohne Nadel; für größere Rassen bieten sich auch 2 - 3 ml-Spritzen an. Sie sind in Apotheken oder beim Tierarzt erhältlich. Vielleicht kennen Sie auch jemanden, der im Krankenhaus arbeitet und Ihnen Spritzen gegen einen geringen Betrag mitbringt. Damit auch gröbere Fasern des Futterbreis hindurchpassen, empfiehlt es sich, den Konus (= das „Mundstück“) etwas mit der Schere aufzubohren. Gute Erfahrungen wurden auch mit Metacam**-Dosierungsspritzen gemacht, da sie vorne etwas weiter sind. Größere Medikamentenspritzen (50 – 60 ml) mit gekürztem Mundstück eignen sich ebenfalls und können ggf. sogar von oben befüllt werden.

Manche Kaninchenhalter „präparieren“ die 1 ml-Spritzen auch wie folgt: Die Spitze der Spritze wird abgeschnitten/gekürzt. Der Schieber wird mit einer schmalen Schicht Heftpflaster umwickelt damit dieser nicht zu weit durch die abgeschnittene Spitze hindurchrutscht und dies im Kaninchenmaul zu Verletzungen führen könnte. Zudem kann der untere Schieberteil, der sonst in die Spritzenspitze ragte, gekürzt werden. Alle abgeschnittenen Enden werden mit einer Feile glatt gefeilt, um scharfe Kanten zu beseitigen. So kann man den Brei gut von vorne aufziehen und direkt ins Mäulchen eingeben ohne dass etwas verstopft.

Wie füttern?

Zum Füttern halten Sie das Tier auf dem Boden fest oder nehmen Sie es auf den Arm, wenn es das gewohnt ist. Wehrhafte Tiere wickeln Sie in ein Handtuch. Spritzen Sie die Mischung seitlich ins Mäulchen und warten Sie, bis das Kaninchen geschluckt hat.

Sorgen Sie bitte auch für eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme Ihres Kaninchens. Verweigert es Wasser, bieten Sie ihm schwachen und abgekühlten Fenchel-, Anis- oder Kümmeltee an. Er darf ebenfalls über eine Spritze verabreicht werden.

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Wie oft und wie viel füttern?
Wenn man bedenkt, wie oft Kaninchen am Tag fressen, muss die Menge des Futterbreis und seine Verabreichung daran angepasst werden. Faustregel sind etwa 50 ml pro Kilo Körpergewicht am Tag, verteilt auf 6 bis 8 Portionen, also etwa alle 2 bis 3 Stunden. Diese Angaben sind allerdings von Marke zu Marke unterschiedlich - halten Sie sich daher an die Packungsanweisung oder Empfehlung Ihres Tierarztes. Sie müssen unter Umständen Zeit und Geduld aufbringen, Ihr Kaninchen von dieser Art der Nahrungsaufnahme zu überzeugen.

Wie lange füttern?

Sie sollten Ihr Tier so lange päppeln, bis es wieder selbstständig frisst. Um das zu prüfen, bieten Sie ihm zwischendurch immer wieder appetitanregende und den Magen beruhigende Kräuter wie Dill, Thymian, Petersilie, Oregano oder Basilikum an, das meist als erstes wieder gefressen wird. Auch frisches Grün (Wiese) oder sonstige Lieblings-Leckerbissen eignen sich, um den Appetit wieder in Gang zu bringen. Zu Heu sollte Ihr Kaninchen selbstverständlich immer freien Zugang haben. Sobald es wieder selbstständig Nahrung aufnimmt, sollten Sie mit dem Zufüttern aufhören. Zu Beginn wird das Kaninchen nur sehr wenig fressen, aber die Menge sollte sich innerhalb von 1 bis 3 Tagen kontinuierlich steigern.

 

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Manche Kaninchen nehmen die Päppelnahrung freiwillig aus der Spritze auf.


*Antitympanikum (entblähendes Medikament). Aus der Humanmedizin, auch in Apotheken erhältlich.

**Schmerzmittel für Hunde und Katzen; wird auch in der Therapie beim Kaninchen eingesetzt.


Quellen:

  • Anja Ewringmann: Leitsymptome beim Kaninchen

  • Estella Böhmer: Warum leiden Hauskaninchen so häufig an Zahn- und Verdauungsproblemen?

  • eigene und Erfahrungen anderer Kaninchenhalter

     

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Diese Seite wurde zuletzt geändert am 20.02.2016 um 10:59.