Ohrenentzündung

Eine Ohrenentzündung wird auch Otitis genannt. Hierbei wird zwischen einer Entzündung der äußeren Gehörgänge (Otitis externa) und einer Entzündung des Innenohres (Otitis media/interna) unterschieden. Ohrenentzündungen können unterschiedliche Ursachen haben. Wie beim Menschen führen Zugluft oder ein plötzlicher Temperaturumschwung schnell zu Infektionen. Besonders Widderkaninchen neigen zu Ohrenproblemen, da durch die hängenden Ohren der Gehörgang nicht gut „belüftet“ wird. Auch die Ohrenpflege gestaltet sich für diese Kaninchen schwieriger als bei Kaninchen mit Stehohren, wodurch sich vermehrt Ohrenschmalz ablagern kann. Eine gründliche Kontrolle im Rahmen der regelmäßigen Gesundheitschecks ist daher empfehlenswert. Ein Befall mit Ohrräude-Milben (Psoroptes cuniculi) kann ebenfalls zu Entzündungen der Gehörgänge führen. Eine weitere, schwerwiegende Ursache für Ohrenentzündungen sind Infektionen mit Erregern des Kaninchenschnupfens.

Ein anatomisches Problem bei vereiterten Ohren ist die Lage des Trommelfells. Im Prinzip müsste der zähe, klebrige Eiter senkrecht nach oben, um aus dem Kaninchenohr zu gelangen. Des Weiteren haben Kaninchen in ihren Ohren diverse Verzweigungen und Erhebungen, die einen Abtransport erschweren.

Symptome und Diagnose
Den Kaninchen muss man nicht zwingend etwas anmerken, doch normalerweise sind Ohrenerkrankungen mit Schmerzen verbunden. Die Kaninchen stellen dann das Fressen ein, knirschen mit den Zähnen und wirken apathisch. Eine Kopfschiefhaltung oder abgeklappte Ohren können auf Infektionen des Ohres hinweisen. Manche Kaninchen haben Gleichgewichtsstörungen oder schütteln den Kopf. Ausfluss aus Ohren, Augen oder Nase sind ebenfalls Symptome, die für eine infektiöse Erkrankung im Kopfbereich sprechen können.
Bei Tieren mit bereits diagnostiziertem Kaninchenschnupfen ist immer auch ein besonderes Augenmerk auf die Ohren zu legen.

Bei einem Befall mit Ohrräude fallen Krusten und Borken im Ohr auf, die Tiere leiden unter starkem Juckreiz und kratzen sich vermehrt. Hierbei kann es durch Kratzverletzungen zu bakteriellen Sekundärinfektionen kommen. Die Untersuchung eines Hautgeschabsels kann zum Nachweis der Milben eingesetzt werden.

Bei der Diagnose ist es stark davon abhängig, wo sich der Entzündungsherd befindet und wie weit die Entzündung fortgeschritten ist. Äußere Infektionen kann der Tierarzt mit einem Otoskop feststellen. Bei Verdacht auf innen liegende Probleme kann ein Röntgenbild Aufschluss geben. Stellen, an denen sich eigentlich Luft befinden sollte, wären im Röntgenbild aufgrund von Eiter gräulich verfärbt, auch „verschattet“ genannt.

Behandlung
Bei einer leichten Entzündung, kann man zunächst versuchen, mit speziellen Medikamenten gegen Ohrenentzündungen oder mit antibiotischen Augentropfen, die ins Ohr gegeben werden, zu arbeiten. Bei stärkeren Enzündungen empfehlen die meisten Tierärzte die Behandlung mit einem Antibiotikum. Um den Erreger festzustellen und gezielt ein geeignetes Antibiotikum zu wählen, kann ein Antibiogramm sinnvoll sein.

Auch wenn ein Antibiotikum verabreicht wird, empfiehlt sich eine zusätzliche lokale Behandlung: Sonst ist es möglich, dass der infektiöse Eiter weiter gesundes Gewebe angreift und sich in den Knochen fressen kann. Für eine wirkungsvolle Behandlung müssen die infizierten Stellen unbedingt gesäubert und sauber gehalten werden.

Die Ohren reinigt man vor der Behandlung mit dem Medikament mit speziellem Ohrreiniger, etwas lauwarmer Kochsalzlösung oder alternativ entzündungshemmendem Malvenblüten- oder Kamillentee. Diese massiert man ein und lässt dann das Tier automatisch seinen Kopf schütteln. Die gelösten Beläge können dann vorsichtig entfernt werden. Vorsicht: nicht mit Wattestäbchen ins Ohr eindringen, die Verletzungsgefahr ist zu hoch! Sollte diese Behandlung nicht helfen und der Eiter sich nicht aufweichen lassen, sodass das Medikament gar nicht erst zum Entzündungsherd gelangt, empfiehlt sich das Säubern der Ohren unter Narkose. Hierzu existieren spezielle, feine Instrumente, die nicht jeder Tierarzt vor Ort hat. Wichtig: Vor einer Spülung der Ohren sollte sich der Tierarzt vergewissert haben, dass das Trommelfell intakt ist, damit keine Spülflüssigkeit ins Mittelohr gelangt. Dies könnte bleibende Schäden verursachen!

Die Medikamente sind so lange zu geben, bis die Entzündung definitiv abgeheilt ist und schon eine Weile kein Eiter mehr nachkommt. Ebenso sind regelmäßige Kontrollen unabdingbar, um frühzeitig eine Neuerkrankung zu erkennen und darauf reagieren zu können. Viele Kaninchen behalten eine Anfälligkeit für Ohrenentzündungen zurück. 

Zur Bekämpfung der Milben bei Ohrräude werden Antiparasitika verwendet, gleichzeitig kann ein Antibiotikum gegen die Entzündungssymptome gegeben werden.

Sollte die eitrige Entzündung bereits im Innenohr sitzen und/oder das Trommelfell zerstört haben, ist die Prognose schlechter, aber je nach Fortschreiten der Erkrankung noch nicht aussichtslos. Erfahrene Tierärzte können unter Narkose einen gezielten Schnitt unter der Schläfe ansetzen und den Gang hinter dem Trommelfell öffnen. Sollten noch Heilungschancen bestehen, kann man diese Wundhöhle reinigen. Sie muss dann mittels Drainagen offen gehalten, täglich gespült und in der Regel begleitend antibiotisch behandelt werden. Ob solch eine Operation Erfolg verspricht, ist im Einzelfall mit dem behandelnden Tierarzt durchzusprechen.

Infektiöse Erkrankungen stehen und fallen in der Regel mit dem körpereigenen Immunsystem. Eine artgerechte Haltung mit gesundem Frischfutter, Gesellschaft, viel Platz und wenig Stress ist die beste Nach- und auch Vorsorge, die es für die Tiere gibt. Immungeschwächte Kaninchen kann man mit Paramunitätsinducern wie „Zylexis“ unterstützen.


Lesen Sie hier einen Erfahrungsbericht einer Kaninchenhalterin:

Erfahrungsbericht


Quellen:
Anja Ewringmann, Leitsymptome beim Kaninchen

www.diebrain.de
www.tiermedizinportal.de



Diese Seite wurde zuletzt geändert am 02.02.2016 um 18:36.