Nachwuchs

Leider gibt es heutzutage viel zu viele heimatlose Kaninchen, die in Tierheimen und Pflegestellen auf ein schönes Zuhause warten. Auch Zoohandlungen verkaufen immer noch zahlreiche Kaninchen, oft schon in einem viel zu jungen Alter. Aus diesem Grund sind wir grundsätzlich gegen eine Vermehrung von Kaninchen, erst recht, wenn dies ohne Wissen und Gewissen geschieht. Sollte sich trotzdem einmal Nachwuchs ankündigen, ist es wichtig, dass Sie dabei einige Punkte bei der Aufzucht der Babys beachten.

Kontrolle des Nestes
Jeden Tag muss der Wurf kontrolliert werden. Da die Häsin in der Regel nur einmal täglich in einem ungestörten Moment säugt, haben die Babys nach der Fütterung pralle Bäuche. Das Säugen selbst dauert dabei nur wenige Minuten und man kann sich wirklich glücklich schätzen, eine säugende Häsin beobachten zu dürfen. Die Häsin sollte dabei nicht gestört werden.

Bereits im Laufe des Vormittags wird das Bäuchlein immer dünner und die Haut wird dadurch faltiger. Stellen Sie fest, dass eines oder mehrere der Babys auch am Morgen runzlige flache Bäuche haben, müssen die Kleinen zugefüttert werden, da sie dann nicht oder nicht ausreichend von der Mutter gesäugt werden.
Die gesündeste und einfachste Möglichkeit ist, die Babys bei der Mutterhäsin anzulegen. Am Besten geht das zu zweit. Man nimmt dafür die Mutter aus dem Gehege und legt sie auf die Seite oder auf den Rücken. Wenn die Häsin in der Stellung liegen bleibt, nehmen Sie der Reihe nach die Babys und legen diese dem Muttertier an den Bauch an die Zitze. Normalerweise brauchen die Kleinen nur ca. 1 Minute, um ausreichend Milch zu trinken. Vorsichtshalber kann man das zwei oder dreimal täglich in den ersten Tagen wiederholen. Viele Häsinnen nehmen die Babys an, wenn das Anlegen ein paar Mal wiederholt wurde. Meist ist dies der Fall beim ersten Wurf, wenn den Tieren der Naturinstinkt fehlt und sie nicht wissen, was mit dem Nachwuchs zu tun ist.

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Zufüttern/Handaufzucht
Haben Sie diese Möglichkeit nicht, müssen Sie Katzenaufzuchtsmilch (gibt es beim Tierarzt oder auch Zoohandel) verwenden. Diese sollte dann anstelle mit Wasser mit warmem Fencheltee angerührt werden. Mischen Sie zudem Sab Simblex Suspension (Apotheke; vermindert einen Blähbauch) darunter. Wenn Sie auf diese Weise zufüttern, sollte das Füttern alle 2-3 Stunden wiederholt werden (auch nachts). Von der Menge her sollte man den Babys in den ersten Tagen je Fütterung ca. 1 bis 2 ml der Milch geben. Unter jede Spritze sollte möglichst 1 Tropfen Sab Simblex  gemischt werden. Am Einfachsten ist es, wenn man sich 1 oder 2 ml Spritzen (ohne Nadel) aus der Apotheke oder vom Tierarzt besorgt. Zum Füttern nimmt man das Jungtier in die Hand und führt die stumpfe Spritzenspitze seitlich in den Mund ein. Es muss darauf geachtet werden, dass nicht zuviel Milch in das kleine Mäulchen abgedrückt wird, da hier sonst die Gefahr besteht, dass die Milch in die Lunge eingeatmet wird, was ihre Todesurteil wäre. Daher sollten die Kleinen auch aufrecht gehalten werden bei der Fütterung und nicht auf dem Rücken liegend, da auch hier die Gefahr größer ist, dass sie sich verschlucken und Milch einatmen. Nach jeder Fütterung, auch wenn die Babys angelegt werden, müssen Sie die Bäuchlein massieren, um die Verdauung anzuregen.

Das Nest

Die Babys brauchen es warm, deshalb sollten sie ein Nest aus Heu und Stroh bauen, sollte dies nicht vom Muttertier gebaut werden bzw. gebaut worden sein. Bei der Benutzung einer Wärmelampe muss darauf geachtet werden, dass diese weit genug entfernt ist und nur etwas Wärme abgibt, da die Babys nackt sind und sonst Verbrennungen die Folge sein können.

Ernährung der Häsin während der Säugezeit

Während der Zeit des Säugens benötigt die Häsin saftiges Frischfutter und immer ausreichend Wasser. Blähende Nahrung sollte nicht gefüttert werden. Für das gesamte Nest muss immer Heu und Stroh zur Verfügung stehen. Die Reinigung des Nestes übernimmt die Mutter selbst, falls die Babies doch wieder von ihr angenommen werden. Das Nest sollte erst nach ca. 2 oder 3 Wochen gereinigt werden, wenn die Kleinen schon im Gehege herumlaufen.

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Der Rammler sollte spätestens nach Entdecken des Wurfes oder besser bereits bei Einsetzen des Netzbaues von der Familie getrennt werden, da dieser die Babies evtl. umbringen würde und die Häsin bereits während der Geburt wieder gedeckt werden kann. Wir empfehlen den Rammler umgehend kastrieren zu lassen und frühestens nach einer Kastrationsfrist von 6 Wochen (nicht vorher!!!) oder wenn die Babies 8 Wochen alt sind, wieder mit der Häsin zu vergesellschaften.

Vermittlung der Jungtiere
Sollten Sie den Nachwuchs nicht behalten können, achten Sie bitte darauf, dass die Kleinen nicht in Einzel- und Käfighaltung vermittelt werden. Wir empfehlen Ihnen auch einen Schutzvertrag mit einer geringen Schutzgebühr abzuschließen, damit die Tiere nicht als Schlangenfutter enden. Eine Frühkastration aller Rammler ist empfehlenswert.

Erfahrungsbericht
Einen Erfahrungsbericht zur Aufzucht von jungen Kaninchen finden Sie hier:

 

Bilder mit freundlicher Genehmigung von K. Hentzschel, J. Korsus

Diese Seite wurde zuletzt geändert am 03.08.2015 um 20:26.