Weibchenkastration

Ovario-Hyster-Ektomie – was ist das?
Unter dem Begriff "Kastration" wird die operative Entfernung der Eierstöcke (Ovarektomie) verstanden. Umgangsprachlich wird aber häufig von einer "Weibchenkastration" gesprochen, wenn die Entfernung der Eierstöcke mit Eileitern sowie der Gebärmutter (Ovario-Hyster-Ektomie) gemeint ist. Deshalb sollte bei einer bevorstehenden Operation eine genaue Begriffsklärung mit dem Tierarzt erfolgen, um Verwechslungen zu vermeiden. Wir sprechen im folgenden Text ausschließlich von der Ovario-Hyster-Ektomie.

Hinweis: Bei einer alleinigen Entfernung der Eierstöcke können weiterhin Gebärmutterveränderungen auftreten. Wir empfehlen daher, eine Ovario-Hyster-Ektomie vornehmen zu lassen, sofern keine gesundheitlichen Gründe oder medizinischen Gründe dagegen sprechen.

 

Gründe für eine Ovario-Hyster-Ektomie

Erkrankungen sowie die Vorbeugung von Krankheiten
Gebärmutterkrebs und andere Erkrankungen wie eitrige Gebärmutterentzündungen sind der häufigste medizinische Grund für eine Ovario-Hyster-Ektomie. Brustkrebs tritt bei Kaninchen nicht so häufig auf und dann fast immer mit Gebärmutterkrebs kombiniert. Brustdrüsenzysten sind gutartig, können aber das Wohlbefinden der Häsin beeinträchtigen. Bösartige Gebärmuttertumoren können rasch in andere Organe wie Leber, Lunge und die Haut streuen und dort Metastasen bilden. Auch Brustkrebs breitet sich rasch aus und ist nur schwer zu therapieren. Die meisten
Gebärmutter- und Brusterkrankungen treten ab einem Alter von zwei Jahren gehäuft auf.

Viele Tierärzte gehen aufgrund eigener Erkenntnisse und verschiedener Untersuchungen von einer genetischen Veranlagung für Gebärmutterkrebs bei Kaninchen aus. Daher entschließen sich mehr und mehr Halter zur einer vorsorglichen Ovario-Hyster-Ektomie.

Eine Kastration kann nach eingetretener Geschlechtsreife vorgenommen werden. Je nach Endgröße der Rasse werden Häsinnen nach 3 bis 5 Monaten geschlechtsreif.

Auf den unteren Bildern sind eine gesunde (Bild 1) und eine stark tumoröse Gebärmutter (Bild 2 und 3) abgebildet. Die Kaninchendame hat die OP gut überstanden. Trotz Gebärmutterkrebs konnte ihr aufgrund der Kastration das Leben gerettet werden. Die Bilder wurden uns von Frau Heike Drapatz zur Verfügung gestellt. Wir danken sehr!      

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Bild 1: Gesunde Gebärmutter eines Kaninchens.   

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Bild 2: Stark tumoröse Gebärmutter eines Kaninchens.

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Bild 3: Größenvergleich Gebärmutter und Kaninchen. Das Kaninchen liegt hierbei noch in Narkose.

Ein weiters Beispiel ist die 9-monatige Häsin Candy, die in einer Notoperation gerettet werden konnte. Bei ihr war die Gebärmutter schon sehr stark vereitert und stand kurz vor dem Platzen. Das Bild wurde uns freundlicherweise von unserem beratenden Tierarzt Dr. Hartmut Burkhardt zur Verfügung gestellt. 

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Vereiterte Gebärmutter einer 9-monatigen Häsin.  

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Candy nach der Kastration. Sie hat die OP gut überstanden.

Bitte kontaktieren Sie unsere Ansprechpartner, falls Sie weitere Informationen rund um die Kastration von Häsinnen wünschen. Je nach Region können wir Ihnen darüber hinaus Tierärzte empfehlen, die Sie ausführlich medizinisch beraten können und die Ovario-Hyster-Ektomie selbst erfolgreich durchführen.

Verhinderung einer Schwangerschaft
Eine Ovario-Hyster-Ektomie verhindert zuverlässig die Schwangerschaft. Jedoch bietet sich für die reine Schwangerschaftsverhütung eher eine Kastration des Rammlers an, da die Operation wesentlich einfacher ist und von nahezu jedem erfahrenen Kleintierarzt vorgenommen werden kann. Die Haltung eines unkastrierten Rammlers mit einer kastrierten Häsin sollte vermieden werden, da dies unnötigen Stress für die Kaninchen bedeutet.

Vermeidung von Scheinschwangerschaften
Scheinschwangerschaften bedeuten Stress für die Kaninchen, da während dieser Zeit häufig Nestbau betrieben und aggressives Verhalten gezeigt wird. Außerdem treten oft begleitende Magen-Darm-Störungen auf. Weitere mögliche Folgen andauernder Scheinschwangerschaften können (vor allem bei älteren Häsinnen) verschiedene Gebärmutter-, Eileiter- und/oder Brustdrüsenerkrankungen (besonders bei Milchproduktion) sein. Einige Wochen nach einer Operation treten bei den meisten Häsinnen keine weiteren Scheinschwangerschaften mehr auf.

Es gibt keine repräsentativen Studien darüber, in welchem Maß Scheinschwangerschaften das Krebsrisiko bei Kaninchen erhöhen. Trotzdem kann davon ausgegangen werden, dass bei häufigen/intensiven Scheinschwangerschaften auch ein erhöhtes Krebsrisiko besteht.

Vermeidung von unerwünschtem Verhalten
In einem gewissen Rahmen ist aggressives Verhalten normal und dient dem Schutz von Revier und Sippe sowie der Sicherung der Rangordnung. Häufig zeigen Häsinnen bei Eintritt der Geschlechtsreife eine gesteigerte Aggression gegenüber Halter und Artgenossen. Sollte dies auch nach der Geschlechtsreife anhalten, kann die Ovario-Hyster-Ektomie eine Entlastung für die Häsin bedeuten. In der Regel lässt das aggressive Verhalten einige Wochen nach der Operation deutlich nach. Ein Ovario-Hyster-Ektomie darf jedoch nie dazu dienen, Tiere in Käfighaltung „ruhigzustellen“. Bei artgerechter Haltung mit viel Platz ist aggressives Verhalten von Häsinnen meist gar nicht erst zu beobachten.

In manchen Fällen soll die Ovario-Hyster-Ektomie auch das Verspritzen von Urin unterbinden. Dieses dient der Markierung des Reviers und/oder der Unterwerfung rangniedriger Kaninchen. Auch hier tritt das Verhalten meist einige Wochen nach der Operation nicht mehr auf. Besonders häufig ist das Verspritzen von Urin bei Rammlern (etwa 10-mal häufiger als Häsinnen). Daher sollte bei einer Häsin zunächst geprüft werden, ob andere Erkrankungen oder die Haltungsweise das gezeigte Verhalten verursachen. Außerdem sollte sich der Halter bewusst sein, dass auch die Ovario-Hyster-Ektomie keine Garantie für Stubenreinheit oder eine Verhaltensänderung ist.

Verträglichkeit mit Artgenossen
Häsinnen sind nach einer Ovario-Hyster-Ektomie meistens weniger aggressiv und zeigen weniger Revierverhalten. Das begünstigt das harmonische Zusammenleben bei (größeren) Kaninchengruppen. Kaninchen sind jedoch schon von Natur aus sehr soziale Tiere, die gerne Gesellschaft von Artgenossen haben. Daher ist eine Ovario-Hyster-Ektomie bei einer gut vorbereiteten Vergesellschaftung
sowie einer artgerechten Unterbringung (dauerhafter Freilauf in großen Gehegen) kein „Muss“ für eine funktionierende Gruppe. Kriselt es zwischen den Kaninchen trotzdem regelmäßig, kann die Ovario-Hyster-Ektomie vor einer Trennung der Tiere in Betracht gezogen werden. Unsere Ansprechpartner beraten Sie gerne zu diesem Thema.


Die Ovario-Hyster-Ektomie

Vor der Operation
Mindestens eine Woche vor dem Eingriff sollte keine Ernährungsumstellung mehr vorgenommen werden. Wer seiner Häsin operationsbegleitend Kräuter füttern möchte, sollte diese rechtzeitig angewöhnen. Außerdem ist es ratsam, vor der Operation genügend Futterauswahl sowie Päppelfutter zum eventuellen Zwangsernähren zu besorgen. Darüber hinaus sollten Vorkehrungen für die Unterbringung nach dem Eingriff getroffen werden. Achten Sie am Vorabend sowie morgens am Tag der Operation darauf, dass das Kaninchen ordentlich frisst (vor allem viel Heu). Am Tag der Operation sollte alles für den Transport bereit stehen. Machen Sie sich rechtzeitig auf den Weg, um unnötigen Stress zu vermeiden.

Vermeiden Sie es, eine Häsin während einer Scheinschwangerschaft zu kastrieren. In dieser Zeit ist der Unterleib stärker durchblutet, wodurch sich das Operationsrisiko erhöht. Außerdem wäre der Hormonabfall nach dem Eingriff besonders plötzlich für das Kaninchen.

Die Operation
Die Operation erfolgt unter Vollnarkose (bei vielen Tierärzten nach vorheriger Sedierung). Da bei Kaninchen generell ein höheres Narkoserisiko als z. B. bei Hund oder Katze besteht, sollte auf eine für Kaninchen verträgliche Narkoseform bestanden werden. Die Inhalationsnarkose zählt neben der vollständig antagonisierbaren Anästhesie zu den schonendsten und sichersten Methoden. Während der Operation werden die Lebensfunktionen laufend überwacht. Da durch den Eingriff ein großer Volumenverlust erfolgt, ist es außerdem ratsam während der Operation Infusionen zu geben.

Das narkotisierte Kaninchen wird zunächst auf eine Wärmeunterlage gelegt und fixiert. Die extrem empfindliche und leicht reißbare Haut wird nach der Rasur vorsichtig desinfiziert. Dann wird die Haut aufgeschnitten und die Blutung gestillt. Die Bauchdecke wird in der Nabelgegend angehoben und vorsichtig durchtrennt, damit keine inneren Organe verletzt werden. Nun sind der Darm, Blinddarm und die Gebärmutter freigelegt. Die Gebärmutter und Eierstöcke werden vorsichtig aus dem Bauch herausgezogen. Nachdem die Blutgefäße von Gebärmutter und Eierstöcken abgebunden/abgeklemmt wurden, werden die Fortpflanzungsorgane entfernt. Zur Aufrechterhaltung der Blasenfunktion wird ein sehr kleiner Rest der Gebärmutter erhalten. Dieses Stück wird gründlich untersucht, abgenäht und dann wieder in den Körper eingebracht. Zum Schluss werden die Bauchhöhle und Haut in zwei oder drei Schichten sorgfältig zusammengenäht, oder alternativ verklebt.

Nach der Operation werden sofort Antibiotika und Schmerzmitteln (z. B. Metacam) gegeben. Bei einer Inhalationsnarkose ist die Nachschlafphase sehr kurz, so dass die operierte Häsin schnell aufwacht.

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Frische Narbe mit Silberspray zum Wundschutz

Nach der Operation
Gegebenenfalls verordnet Ihr Tierarzt Schmerzmittel und Antibiotika. Falls Schmerzmittel gegeben werden, müssen Klettermöglichkeiten außer Reichweite sein, um ein Aufreißen der Naht bei Sprüngen zu vermeiden (die Häsin könnte sich überschätzen, da der Wundschmerz betäubt ist).

Der Tierarzt muss bei Auffälligkeiten (Unwohlsein, Kreislaufprobleme, Probleme mit der Wunde etc.) sofort informiert werden. Beobachten Sie Ihr Tier genau und kontrollieren Sie die Operationswunde zweimal täglich vorsichtig und mit sauberen Händen auf unübliche Schwellungen, Ausscheidungen und Öffnungen.

Es ist nicht zwingend erforderlich, die Häsin von den Partnertieren zu trennen. Sollte sie sich jedoch bedrängt fühlen und Ruhe haben wollen, kann sie vorübergehend allein untergebracht werden. Dies erleichtert die Kontrolle von Fressverhalten und Kotabsatz.

Da Kaninchen während und nach einer Operation schnell auskühlen, sollte wenigstens am ersten Tag ein wärmender Platz, z.B. ein Wärmekissen, vorhanden sein. Die Häsin muss der Wärme aber ausweichen können. Das Gehege sollte in den ersten Tagen mit Laken und sauberen Tüchern anstelle der Einstreu ausgestattet sein. Tauschen Sie die Unterlage regelmäßig aus, damit kein Schmutz an die Wunde gelangt. Ansonsten besteht die Gefahr von Entzündungen.

Direkt nach der Operation können Wasser, Heu, das Lieblingsfutter und Kräuter angeboten werden. Vor allem Grünfutter wird bereits einige Stunden nach der Operation gerne angenommen. Ermuntern Sie Ihre Häsin immer wieder dazu, zu fressen. Häufig haben die Tiere nach der Operation großen Durst, gehen aber noch nicht selbständig an den Wassernapf. Bieten Sie der Häsin das Wasser daher auch aktiv zum Trinken an. Sollte die Häsin etwa 24 Stunden nach dem Eingriff noch nicht eigenständig Futter aufnehmen, kontaktieren Sie in jedem Fall Ihren Tierarzt. Die Häsin muss dann zwangsernährt werden.

Falls die Häsin nach der Operation an der Naht knabbert, ist es sinnvoll, einen Verband anzulegen. Als praktisch haben sich dabei "Body-Verbände" erwiesen. Die Body-Verbände sollten nicht zu eng sein, aber doch so eng, dass die gut sitzen. Die Löcher für die Beine müssen genug Bewegungsfreiheit ermöglichen und der Ausschnitt am Po muss groß genug sein, dass das Kaninchen den Verband nicht mit Urin oder Kot verschmutzt. Als Material eigenen sich viele Sachen: Große Socken, Pulloverärmel, Strampler für Neugeborene, feste Schlauchverbände,...

Hier finden Sie weiterführende Informationen über den Schutz von OP-Nähten.

Wir empfehlen ein paar Tage Urlaub einzuplanen, damit das Kaninchen besser beobachtet und gepflegt werden kann.

 

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Anleitung für einen Body für Häsinnen nach einer Weibchenkastration

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Häsin mit Body nach einer Weibchenkastration


Quellen sowie weiterführende Literatur:
www.medirabbit.com

www.vet-dent-lazarz.de
www.rabbit.org/faqgerman/sections/kastration.html
www.tierarztpraxis-rogalla-rummel.de/wiss_krank_kaninchengebaermutter.html
www.tierarztpraxis-rogalla-rummel.de/akt_fall_200504.html
www.birgit-drescher.de/pdf/kastration-info.pdf

Bilder mit freundlicher Genehmigung von S. Kasimir und H. Drapatz.

 

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Diese Seite wurde zuletzt geändert am 07.01.2016 um 09:56.